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Es werden Posts vom April, 2018 angezeigt.

My Estonia 3 - Rezension

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Im dritten Teil von Justin Petrone‘s "My Estonia"-Reihe werden die Jahre 2007-2013 abgedeckt, eine lange Zeitspanne für 352 Seiten Text, sodass quasi nur die Highlights erzählt werden. Justin ist immer noch auf der Suche nach seinem Platz im Leben – mit inzwischen zwei Kindern leben er und seine Frau Epp mal in New York, mal in Tartu – erst in Karlova, dann in Tähtvere. Das sind zwei Stadtviertel, in denen ich mich als EMÜ-Studentin gerne rumtrieb, daher habe ich viele Straßen wiedererkannt und mich beim Lesen sofort wie zu Hause gefühlt. Der Verlag Petrone Print wird von hier aus aufgebaut, während Justin als Journalist und Blogger arbeitet und wieder studiert – an der Tartu Ülikool (Universität von Tartu) und einer Studentenverbindung beitritt. Er trifft auf einige interessante Gestalten (eine Dozentin beispielswese, die heftig die Heterosexualität des Dichters Kristjan Jaak Peterson verteidigt… Das ist der Dichter, dessen Statue ich immer besuche, wenn ich in Tartu

Vom Bahnfahren: Die Mitreisenden

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Es gibt ja in jedem Flugzeug dieses schreiende Kleinkind. Und während Deutschland über Dieselfahrverbote und kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr diskutiert, denke ich: in jedem Zugwaggon ist auch so ein Kind. Auch im Ruhewagen. Wo es ja auch immer die eine Person gibt, die nicht weiß, wie man Handys stummschaltet. Auf jeder Zugfahrt begegnet man den gleichen Mitfahrern, je öfter man Bahn fährt, desto deutlicher wird es. Natürlich ist in jedem ICE-Abteil jemand, der am Laptop arbeitet. Stört es sie oder ihn denn nicht, dass das alle mitkriegen? Dann ist da jedes Mal eine junge Familie, inklusive Deuter-Kinderrucksack und Keksen. Die schlechtgelaunte Person, die sich beim Schaffner beschwert (über die nicht angezeigten Reservierungen, die Verspätung, das Wetter). In jedem Abteil gibt es außerdem: Die Person, die so laut telefoniert, dass alle das Gespräch mitverfolgen können. Ein langes Gespräch, natürlich. Der Fahrgast, der seine Lebensgeschichte mit dem Sitznachb

Tartu, ich habe dich vermisst

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Ich steige aus dem Flugzeug und laufe unter den „Eesti 100“ Plakaten hindurch, die das Gate schmücken. Zielstrebig durch den kleinen Flughafen von Tallinn, am Gepäckband vorbei, die Rolltreppe nach unten – und stehe vor einer Absperrung. Erst da fallen mir die Schilder auf, die alle zwei Meter darauf hinweisen, dass es zur Bushaltestelle jetzt in die andere Richtung geht. Stimmt, da war was. Diese Baustelle letztes Jahr… An der neuen Busstation hält jetzt auch die Tram, wann welcher Bus kommt, wird auf Bildschirmen angezeigt, und die Wartezeit kann man auf einem Platz verbringen, der die Verbindungen europäischer Städte zeigt.   Zweieinhalb Stunden später bin ich in Tartu, hungrig, müde, und glücklich. Riho holt mich ab und wir machen uns auf die Suche nach etwas zu essen. Ersteinmal macht er mich auf die alkoholischen Getränke aufmerksam, die im Supermarkt im Angebot sind – also fast alle. „Das ist, weil die Steuer auf Alkohol erhöht wurde. Jetzt ist alles im Angebo