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Forschung - Life in Estonia, Teil 8

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Einer seufzt, eine stöhnt, die dritte Stimme flucht. Die Geräuschkulisse kommt aus unserem Büro und meist folgt der Kommentar meines Chefs: „Der Soundtrack der Wissenschaft“. Hier sitzen wir, jeder vor dem eigenen Computer, und arbeiten hart. Nachdenken. Probieren. Versagen. Nochmal versuchen. Wenn ich durch meine sozialen Medien scrolle, tauchen immer wieder Sprüche über das Doktorandenleben auf. Einer meiner Lieblinge: „Ich wollte keinen langweiligen acht-Stunden-Job, also habe ich meine Doktorarbeit angefangen und jetzt arbeite ich 24/7.“ Und da ist was dran. Als Doktorand muss man wie jeder Andere versuchen, eine Work-Life-Balance zu erschaffen. Heutzutage sind die Kurse online, während man Literaturrecherche betreibt oder Daten statistisch auswertet, kann man zu Hause oder überall sonst auf der Welt sitzen, und meist ist man zeitlich flexibel. Und während es ja ziemlich leicht ist, eine Morgenroutine aufzubauen und jeden Tag zur selben Zeit anzufangen – wann hört man abends auf?

Life in Estonia, part 8: Research

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One sighs. One groans angrily. And a third voice spits out swear words. That’s us. That’s our office. And usually, when it happens, it will be followed by my boss commenting: „The sounds of making science.“ We may be staring at a computer screen all day, but this is indeed hard work. Thinking. Trying. Failing. Trying again. When I procrastinate, I spend a lot of time looking at memes related with PhD or working in academia. One of my favorites is: “I didn’t want a 9 to 5 job, so I started a PhD, now I’m working 24/7”.There is definitely some truth in it. As a PhD student, you try to find a work-life balance. You are usually quite flexible in your work schedule, while you are doing literature research or statistical analysis, you can easily work from home, and nowadays all the classes are also online. And while it is easy to start every day at the same time, when do you stop? Some days I end my work day at four thirty, because I just can’t concentrate anymore and feel like I accomplis

Einen ganzen Winter lang - Life in Estonia, Teil 7

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Als ich mich vor genau fünf Jahren dazu entschied, mein Auslandssemester in Estland zu verbringen, war ich mir nicht einmal sicher, welcher der drei baltischen Staaten das überhaupt war. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Ich begann zu recherchieren und fand eine Dokumentation über Estland im Winter. Die Filmcrew zeigte das Leben auf einer der Inseln, mit Schafwollpullis, Sauerkraut und Kartoffeln, Musik und Angeln durch Löcher im Eis. Was mich daran faszinierte, war, wie die Crew auf die Insel kam: Mit dem Auto. Über das zugefrorene Meer, auf einer sogenannten Eisstraße ( jäätee ). Ich war begeistert – ich wollte auch auf einer Eisstraße fahren! Dazu sollte es nicht kommen. Wie sich herausstellte, ist der Klimawandel auch in Nordeuropa angekommen und es wird nur noch selten kalt genug, dass die Eisschicht auf dem Meer ein Auto aushalten könnte. Es ist mein dritter Winter in Estland. Alle sagen, es hätte dieses Jahr besonders viel Schnee gegeben, aber ich erinnere mich an de

Life in Estonia, part 7: One real winter...

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When I had decided, exactly five years ago, that I would do my exchange semester in Estonia, I had no idea what to expect. I wasn’t even sure which if the three Baltic countries Estonia was. I didn’t realize just how cold it could get there. So I started researching and found a documentary about Estonia in winter. It followed some people on one of the islands, wearing sheep wool jumpers and playing music, fishing through holes in the ice, eating potatoes, meat and sauerkraut. But the one thing that fascinated me about this documentary was how the camera crew got to the island: by car. Driving over the frozen Baltic Sea. That was it. I was hooked. I couldn’t wait to get to the North and drive a car on an ice road on the sea. Of course, that didn’t happen. Turns out, winters are actually not that cold anymore. The ice roads ( jääteed ) are indeed a thing, but the ice needs to be thick enough – and climate change just doesn’t seem to want that anymore. This is my third winter in Estonia

Wir leben in einem kleinen Land - Life in Estonia, Teil 6

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  Ich hatte ja bereits erwähnt, dass eine zweistündige Autofahrt dich durch halb Estland bringt. Wo in anderen Ländern etwas „nur“ eine Stunde entfernt ist, macht das hier schon einen enormen Unterschied, der sich beispielsweis in verschiedenen Dialekten ausdrückt. Das bedeutet, jeder kennt alle Orte, nicht so wie in Deutschland, wo ich erzählen muss, dass meine Eltern südlich von München wohnen, weil keine Sau Nußdorf am Inn kennt, wahrscheinlich wissen nicht mal alle Menschen aus demselben Landkreis, dass das Dorf mit seinen 2600 Einwohnern existiert. Dabei ist „südlich von München“ nur ungefähr so genau wie „Tartu ist nicht weit von Viljandi“. Tõrva, das auch etwa 2600 Einwohner hat, ist eine Stadt, und jeder in Estland kennt es und weiß, wo es liegt.   Stadtmitte von Tõrva. Foto: Urmas Saard, külauudis.ee Das ist also die geographische Seite der kleinen Größe. Es gibt nur zwei große Städte – die Hauptstadt Tallinn und die Universitätsstadt Tartu. Obwohl es inzwischen auch mehre