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Wir leben in einem kleinen Land - Life in Estonia, Teil 6

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  Ich hatte ja bereits erwähnt, dass eine zweistündige Autofahrt dich durch halb Estland bringt. Wo in anderen Ländern etwas „nur“ eine Stunde entfernt ist, macht das hier schon einen enormen Unterschied, der sich beispielsweis in verschiedenen Dialekten ausdrückt. Das bedeutet, jeder kennt alle Orte, nicht so wie in Deutschland, wo ich erzählen muss, dass meine Eltern südlich von München wohnen, weil keine Sau Nußdorf am Inn kennt, wahrscheinlich wissen nicht mal alle Menschen aus demselben Landkreis, dass das Dorf mit seinen 2600 Einwohnern existiert. Dabei ist „südlich von München“ nur ungefähr so genau wie „Tartu ist nicht weit von Viljandi“. Tõrva, das auch etwa 2600 Einwohner hat, ist eine Stadt, und jeder in Estland kennt es und weiß, wo es liegt.   Stadtmitte von Tõrva. Foto: Urmas Saard, külauudis.ee Das ist also die geographische Seite der kleinen Größe. Es gibt nur zwei große Städte – die Hauptstadt Tallinn und die Universitätsstadt Tartu. Obwohl es inzwischen auch mehre

Life in Estonia, part 6: What it means to live in a small country

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  I have mentioned before that a two hour drive brings you halfway across Estonia. When in other parts of the world a place is „only“ an hour away, here, this makes the difference between being in Southern Estonia or in Northern Estonia. This means, that everybody knows all the places. While I tell people that my parents live „near Munich, south of it“ and everybody understands approximately enough where in Germany that is, it is only about as accurate as telling people that „Tartu is not that far from Viljandi“. Sure, but, come on... Well, my dad lives in a mid-size village of almost 2600 inhabitants. Not even everybody in the county knows the place. Tõrva, on the other hand, is a real town, and everybody in Estonia knows where it is located and has some idea of what it looks like (the arch bridge, that random chimney in the center!), and it has a similar population size. Tõrva central square. photo: Urmas Saard, külauudis.ee So you’ve got the geographical smallness. There are

Exkursionen – Life in Estonia, Teil 5

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  Zwei Stunden sind immer zwei Stunden, klar. Aber die Bedeutung kann unterschiedlich sein, je nachdem, wo man sich befindet. Eine zweistündige Autofahrt in Australien oder den USA ist ein Klacks. Wenn jemand in Deutschland zwei Stunden entfernt wohnt, ist es nicht allzu weit. Aber zwei Stunden mit dem Zug bringen dich durch halb Estland. Für die meisten Leute, mich inbegriffen, ist das also nichts, was man jede Woche auf sich nehmen würde. Um aber mal von der Arbeit und meinen inzwischen fast schon zu zahlreichen Hobbies wegzukommen und das Wochenende nicht zu Hause mit Gedanken an die Arbeit zu verbringen, mache ich mich an einem Freitagabend auf in die Hauptstadt. Tallinn, sage ich immer, ist mir viel zu groß, auch wenn die Stadt schöne Ecken hat. Wenn ich über Hannover spreche, wo ich insgesamt über vier Jahre gelebt habe, rede ich von einer schönen kleinen Stadt, in der man überall mit dem Fahrrad hinkommt. Tatsächlich ist Tallinn mit seinen etwa 426.500 Einwohnern kleiner als Ha