Zwischen Palmen und Plastikmüll



Es gibt sie noch, die letzten Paradiese, wo man leere Sandstrände findet, Palmen mit Schaukeln dran direkt am Ufer, wo man sich vor herunterfallenden Kokosnüssen in Acht nehmen muss, Einheimische auf dem Fahrrad oder dem Moped über einsame Straßen fahren und das Meer türkisblau, klar und badewannenwarm ist.
In so ein Paradies will ich.
Martin Schacht hat Recht, wenn er über Transporte spricht: Es mag chaotisch wirken in Thailand, aber es klappt immer. Man kann sich darauf verlassen, dass einen immer jemand erwartet und man immer irgendwie ans Ziel kommt.
Schon beim Einsteigen in den Bus werde ich gefragt, auf welche Insel ich möchte, und die Stewardess verspricht, sich um ein Taxi zum Hafen zu kümmern. Dann schmeißt sie mich und die anderen farang an einer Straße mitten im Nirgendwo aus dem Bus. Erst sind wir irritiert, wir sind doch noch gar nicht in Trat, wo sich der Hafen befindet. Aber tatsächlich wartet ein Sammeltaxi auf uns, denn von hier ist es kürzer zum Pier.

Aussicht vom Tempel auf den Sonnenaufgang

Die anderen werden vor mir abgeladen, für die meisten geht es von Trat aus immer nach Koh Chang. Aber ich habe mir sagen lassen, da sei es touristischer. Und ich möchte zwar auch ein Bett, fließend Wasser und Gelegenheit, mir etwas zu essen zu kaufen, aber bitte nicht inmitten von sonnenverbrannten anderen europäischen Gesichtern.
In das Schnellboot passen ungefähr dreißig Passagiere, das Gepäck liegt vorne, wir müssen alle Schwimmwesten tragen. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt sind wir da.
Schon in Trat wurde es tropischer, grüner, mehr Palmen als in der Surin-Provinz. Die kleinen Inselchen, an denen wir vorbeikommen, sehen wirklich aus wie in Filmen – kein Wunder, „The Beach“, „Türkisch für Anfänger – der Film“, ein James Bond und viele weitere wurden auf den thailändischen Inseln gedreht. Grüner Dschungel, Palmen, weiße Sandstrände, dunkle Felsen. Ein Urlaubstraum.


Obwohl auf meine Emails nicht geantwortet wurde und ich dem Hostel meine Ankunftszeit nicht mitgeteilt habe, wartet am Pier auf der Insel schon ein Moped auf mich. Und da geht es los: diese Insel ist voll mit Deutschen. Sie arbeiten in den Hostels, betreiben Lokale, und bevölkern die Bars und Strände. Trotzdem, es ist nicht allzu voll hier, und man kommt nicht nur den Deutschen, sondern allen Touristen ganz gut aus.
Ich wohne im „Banana Sunset“, in einem kleinen Zelt direkt am Ufer. Die Aussichtsterrasse wurde bei dem Sturm vor zwei Wochen komplett zerstört, deshalb gibt es 20% Rabatt auf alle Speisen. „Kein Fleisch, kein Ei, keine Fischsoße“, erkläre ich dem Kambodschaner, der das Resort betreibt. „Alles klar, wir zaubern dir was!“
Man kommt hier wunderbar mit Leuten ins Gespräch, nicht nur, weil ich eine Partnerin für die „Buy one get one free“-Getränkeaktion suche, sondern einfach, weil hier jeder jeden grüßt, man sich einfach neben irgendjemanden setzt und anfängt, sich zu unterhalten. Vielleicht liegt es daran, dass alles draußen ist, der Waschraum, die Bar, die Tische, vielleicht auch daran, dass die zelte so dicht beieinander stehen, dass man keine wirkliche Privatsphäre hat, oder vielleicht liegt es einfach an der Tatsache, dass wir auf einer kleinen Insel sind, und das Personal sich auch gerne auf ein Bier dazu setzt, sei es während oder nach dem Sonnenuntergang. Das „Banana Sunset“ ist auf jeden Fall eine tolle Unterkunft, wenn man inspirierende Gespräche führen möchte, einfach Leute kennen lernen will oder auch wegen des guten Essens, des liebenswerten Personals und der Aussicht auf den Sonnenuntergang.


Wer es etwas komfortabler als im Zelt haben möchte, dem kann ich das „Lazyday Resort“ empfehlen, dessen Bungalows verstreut auf einer Wiese stehen, die an einen eigenen kleinen Sandstrand grenzt – Schaukeln direkt am Wasser unter Palmen inklusive (Das „Sunset“ hat auch Bungalows, aber keinen Sand- sondern einen Steinstrand).


Noch lebt man auf der Insel nicht vom Tourismus, sondern hauptsächlich von den Plantagen: Von hier aus wird Thailand mit Kautschuk und Kokosnüssen versorgt. Weder große Hotels noch Jetskis haben sich hier bisher breit machen können. Und man kann die gesamte Insel mit dem Fahrrad erkunden! Koh Mak wirbt damit, umweltfreundlich zu sein – es gibt Trinkwasser-Auffüllstationen, eine Trash-Hero-Gruppe, die sich jede Woche trifft, um Müll am Strand zu sammeln, und mehr Fahrräder als Autos. In der Pineapple Dessert Bar bekomme ich meinen geeisten Grüntee mit Kokosnussmilch in einem Bambusbecher mit wiederverwendbarem Strohhalm aus Bambus – ab jetzt kann ich den einfach in den Cafés herzeigen und dazu sagen: „mai aow lod“ – „kein Strohhalm“.


Außer den Stränden und dem Tempel, von dem aus man die beste Aussicht auf den Sonnenaufgang hat, muss ich natürlich auch die Tierklinik besuchen, die erst vor wenigen Jahren hier gegründet wurde und komplett von Freiwilligen am Laufen gehalten wird. Tierärzte, Tierarzthelfer und Studenten kommen für zwei Wochen oder zwei Monate und sterilisieren die Straßenhunde und –katzen, impfen und entwurmen. Alles auf Spendenbasis, die Volunteers arbeiten nur gegen Unterkunft. Facebook-Seite der Klinik. Die meisten der Tiere haben ein Restaurant oder Wohnhaus, bei dem sie sich eigentlich immer aufhalten, aber wenn es um die Bezahlung geht, will dann doch niemand der Besitzer sein.


Obwohl diese Insel es weiterhin erfolgreich schafft, den Massentourismus fern zu halten, ist das Paradies bedroht. Da sind die Plastikbecher und Chipstüten an den Straßenrändern, die Flaschendeckel und Plastikstrohhalme am Strand, Fischernetze und Plastiktüten in den Bäumen, die bei Flut im Wasser stehen… Es macht mich unglaublich traurig und wütend zugleich, dass wir doch alle wissen, wie unser Konsum, das Einwegplastik und die Fischerei unseren Planeten zerstören – müssen wir uns denn immer noch Einkäufe in Plastiktüten geben lassen, durch Strohhalme trinken und jeden Tag neue kleine Plastikflaschen kaufen?







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