Wochenenden in Bangkok


Sonnenuntergang am Wat Arun

Wenn ich am Wochenende nach Bangkok fahre, denke ich immer, dass meine Ausflüge den thailändischen Studenten seltsam vorkommen müssen. Ich besuche seltsame Orte. Ich esse nur vegan. Und ich habe immer so viel Kram dabei: Wasserflasche aus Metall, Stofftasche zum Einkaufen, Lunchbox, Eisteebecher, wiederverwendbare Strohhalme… Und auf dem Markt lehne ich dann immer die Plastiktüten und –schälchen ab, die Becher und Strohhalme…

Umweltfreundliche Verpackung
Baiyok nimmt mich mit zum Wat Sothon Wararam Tempel östlich von Nong Chok und normalerweise fühle ich mich nicht ganz wohl, mich zwischen den Betenden in Tempeln aufzuhalten. Ich bin nicht buddhistisch, also was habe ich hier zu suchen? Ich kann die Architektur, die Buddha-Statuen und die Schönheit der geopferten Lotusblüten auch von weiter weg bewundern. Aber Baiyok scheint das nicht zu stören, sie  nimmt mich bis ganz nach vorne mit und lässt mich ein Gebet nachsprechen. Sie kauft mit mir Opfergaben und wir kleben Blattgold an die Statuen, zünden Räucherstäbchen und Kerzen an, damit sich unsere Hoffnungen erfüllen werden und werfen alte Münzen in Schälchen, als Spende an die Mönche. Gegenüber auf dem Markt lassen wir uns an jedem Stand Kokoswasser und Süßigkeiten zum Probieren geben, ohne je etwas zu kaufen.

Wat Sothon Wararam





Es sind auch Baiyok und ihr Kommilitone Pi, die mich für einen ganzen Tag in der Stadt begleiten. Wahrscheinlich nicht zu ihrem eigenen Vergnügen, sondern, damit ich nicht alleine bin. Wann immer ich erzähle, dass ich einen Ausflug gemacht habe, werde ich sofort gefragt, wer mich begleitet hat.
Zuerst treffe ich mich mit den Belgiern, die Zerowaste Thailand ins Leben gerufen haben, um festes Shampoo und Bambuszahnbürsten zu kaufen. Da wir jetzt nicht weit vom „Terminal 21“, einer von Bangkoks größten Malls sind, beschließen wir, dort im Food Court Mittag zu essen. Wir haben ungefähr zwei Stunden hierher gebraucht, erst mit dem Auto zum „Airport Railway Link“, dann mit dem Bangkok Mass Transit System (BTS) Skytrain hierher. Ich bin überwältigt von Bangkok, wie immer – die schiere Größe der Gebäude, der Lärm, die verstopften vierspurigen Straßen, der Smog, die Reizüberflutung der Mall. Draußen ist es dreckig, überall fliegt Müll herum, der Verkehr ist chaotisch, die Gehwege sind voller Risse und Löcher, die Luft ist schlecht und es hat über dreißig Grad. Drinnen ist alles sauber und glänzend, klimatisiert, bunt. Funkelnd. Edel. Auf den Straßen scheint es wie in einem Dritte-Welt-Land, aber in den Malls und Cafés wirkt Bangkok reich.


 Mit einem Boot überqueren wir den Chao Praya Fluss und schauen uns den berühmten Tempel Wat Arun an. Manche Leute sind zum Beten oder Meditieren da, manche zum Sightseeing, und wieder andere machen davor ein Picknick. In Tempeln in Thailand herrscht nie diese stille, etwas bedrückende Stimmung wie in Kirchen. Hier darf man sich mit anderen Menschen unterhalten und Spaß haben. Da ich gelesen habe, dass der Wat Arun am schönsten im Sonnenuntergang von der anderen Flussseite aus aussieht, nehmen wir wieder ein Boot zurück. Noch haben wir etwas Zeit, also schlendern wir über den Blumenmarkt, der nicht weit entfernt ist. Oh, diese Farben und Düfte! Und all das Plastik, das jedes gute Foto ruiniert! 


Kesineeja
Nachdem wir die Sonne im Smog hinter dem Tempel  haben versinken sehen, nehmen wir ein Tuk-tuk in die Nähe der Khao San Road. Hier begegnen wir noch mehr farang als den Rest des Tages über, klar, in der Backpacker-Straße kommen schließlich alle jungen und junggebliebenen Touristen in Bangkok unter. In einer kleinen Parallelstraße befinden sich drei vegetarische Restaurants nebeneinander, und ich habe im Vorfeld eines davon ausgesucht – im Ethos sitzt man gemütlich auf dem Boden, die Speisekarte mit einer großen Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten ist nicht nur auf Englisch, sie enthält auch Kommentare zu den Getränken und Speisen, dazu auffordernd, losen Tee oder Kombucha zu trinken statt Lipton und Coca Cola. Ich bestelle Frühlingsrollen, frittierten Tofu, ein Nudelgericht und einen glutenfreien Pfannkuchen mit Kokosmilch und frischem Obst für alle zum Probieren. Doch wie sich herausstellt, hat Baiyok noch eine Verabredung zum Abendessen und Pi hat den Tag über so viel genascht, dass er gar keinen Hunger hat. Gut, dass ich immer Gefäße dabei habe, um die Reste einzupacken! Die Preise hier sind natürlich auch für die Touris, von dem, was ich hier bezahle, kann ich im Kesineeja (ihr wisst schon, das kleine Lokal am Wohnheim, dessen Köchin mir mittags und abends vegane Gerichte kreiert, wo ich am liebsten sitze, um diesen Blog zu schreiben oder mit Freunden zu essen, die sich alle gerne mit Kade unterhalten…) fünf- oder sechsmal satt werden. 



Am Sonntag wage ich das Unternehmen dann auf eigene Faust: Taxi zum Airport Link, Skytrain nach Bangkok und mit dem Moped-Taxi in die Nähe meines Ziels: Die Zero Moment Refillery. Hauptsächlich will ich diesen Unverpackt-Laden unterstützen, aber es tut unglaublich gut, meine alten Flaschen und Tüten mit Müsli, Spülmittel und Tee aufzufüllen! Das ganze Plastik in Thailand macht mich wahnsinnig. Wenn der Laden doch nur etwas näher wäre!
Die Gegend, in der ich mich befinde, erscheint mir „grün“ und reich, in den Coffeeshops gibt es Soja- und Walnussmilch, die Häuser haben Zäune und Gärten mit Bäumen. Das nächste vegane Restaurant, das mir Happy Cow vorschlägt, ist nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt.
Da es laut Google von dort aus auch nur zwanzig Minuten bis zur Skytrain-Station sind, denke ich, das lässt sich auch zu Fuß machen. Aber das hier ist Bangkok! Zu Fuß von A nach B zu kommen bedeutet, auf Baustellen unter dunklen Brücken zu landen, vielbefahrenen Straßen ohne Gehweg zu folgen und ebenso volle Straßen in einem Selbstmordkommando zu überqueren.


Mein nächstes „Opfer“ ist Ae, die gerne shoppen gehen möchte, und ich überrede sie, das nicht in der Mall in der Nähe Nong Choks zu tun, sondern mit mir weiter in die Stadt reinzufahren. Mir wurde die „Siam Paragon“ Mall empfohlen. In Thailand geht man nicht hauptsächlich zum Shoppen in die Malls, sondern eher zum Bummeln, sich mit Freunden treffen, Kaffee trinken. Die Siam Paragon soll die schönste Mall dafür sein, und wie sich herausstellt, könnten wir hier auch gar nicht einkaufen – alles teure Marken. Also auf zum Chatuchak Market – dem größten Markt Thailands, und vermutlich Asiens. Hier gibt es alles: Kleidung für weniger als einen Euro, upgecyclete IKEA-Tüten, Essen, Massagen, Handyhüllen, Sonnenbrillen, Taschen aus Krokodilleder und vermutlich noch mehr Dinge, von denen ich gar nichts wissen will. Wir halten uns eher ans Leute beobachten und Kokos-Süßigkeiten… Und natürlich muss ich auch den zweiten Unverpacktladen Bangkoks besuchen, die „Better Moon Refill Station“. Das ist hauptsächlich ein Café, mit einer großen Auswahl an veganen Gerichten, aber leider bin ich schon satt. Und Müsli gibt es auch nicht, sodass ich auf dem Heimweg noch beim Zero Moment Halt mache. Ich hoffe, dass die thailändischen Studenten nicht nur die Stirn runzeln bei meinen „Plastik-vermeiden“-Macken, sondern auch darüber reden und nachdenken. Am Montag verteile ich erstmal Bambus-Strohhalme an sie, die sie wiederverwenden können…


Ein kleiner Sieg im Kampf gegen das Plastik

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