Göteborg, 25.-27. September

Göteborg hat weniger Hipster als Stockholm und mehr Jogger als Uppsala – oder sagen wir, mehr Menschen in Sportkleidung.


Da wir etwas außerhalb wohnen, bekommen wir auf dem Weg in die Innenstadt gut zu sehen, wie groß diese Stadt ist. Hässliche Hochhäuser, bunte Reihenhäuser aus Holz (eines davon für zwei Tage unser Zuhause), eine hübsche Altstadt…und eine ganze Menge Leute, die rote Ampeln als gut gemeinten, aber unnötigen Ratschlag empfinden.


Joe muss mich heute leider alleine lassen, sodass ich auf mich gestellt bin in einem Land, von dessen Sprache ich nur die Worte „Hallo“, „Danke“ und „Tschüss“ kenne. Los geht’s. Ich bin schon durch zwei Parks spaziert, als ich ein Schild finde, das den botanischen Garten ausweist. Aha, deshalb waren die Pflanzen hier nicht beschriftet. Ich bin noch nicht da. Ich überquere die Brücke, die vom Park in den botanische Garten führen soll – und verlaufe mich erstmal in einem Wohngebiet. Aber hübsch ist es hier. Der botanische Garten ist riesig und sehr schön. Ich setze mich auf einen Hügel, auf dem ich alleine bin und genieße die Aussicht über die Stadt.
Im japanischen Teil des Gartens packe ich meine Karteikarten aus, denn ja, die „wirkliche Welt“ holt mich langsam wieder ein. Der Dienstplan für Oktober ist da, die Erstiwoche wird geplant, und ich muss wieder lernen.


Vom botanischen Garten aus schlendere ich Richtung Haga – eine Straße, nach der ein ganzes Viertel benannt ist, voller hübscher alter Häuser, netten kleinen Cafès und Läden. Ich folge einem Schild, auf dem „happy vegan“ steht und finde einen Supermarkt, der nur vegane Produkte verkauft: Naturkosmetik, Tiefkühlpizza, ganz viele „Milchprodukten“ auf Haferbasis, und es gibt so ein tolles Süßigkeitenregal, wie es die Schweden so gerne mögen: lose Bonbons, Lakritz und so weiter, die man sich nach Belieben in Papiertüten packen kann, abgerechnet wird dann nach Gewicht.
Ich versuche, möglichst wenig mitzunehmen, da Schweden so teuer ist und wir mit Rucksäcken unterwegs sind. „Abgelehnt“ sagt das Kartenlesegerät. Pin falsch? Nein, war definitiv richtig. Kein Geld mehr? Ich beginne zu schwitzen. Aber ich hatte doch heute früh nochmal nachgeguckt, wie viel Geld ich noch habe… Ich prüfe nochmal meinen Kontostand. Nein, alles gut hier, ich werde den Rest des Urlaubs überleben können. Na dann muss ich eben bar bezahlen. Der Geldautomat ums Eck ist außer Betrieb, aber immerhin funktioniert das GPS auf meinem Handy ausnahmsweise mal und bringt mich zum nächsten. Warum meine Karte jetzt funktioniert und im Laden nicht, kann ich mir nicht erklären. Wieder im Laden reiche ich dem geduldigen Verkäufer einen 200-Kronen-Schein und kippe die Münzen auf den Tisch. „Das sieht aber komisch aus“, sagt er. „Das meiste sind dänische Kronen“, erkläre ich, „aber irgendwo sind da auch noch zwei schwedische!“
Sobald ich den Laden verlassen habe, muss erstmal die Schokolade dran glauben.


Und zurück in Lundby, dem Viertel, in dem wir wohnen, bekomme ich das Kästchen nicht auf, in dem der Haustürschlüssel neben der Tür verwahrt ist. Immerhin finde ich in der Nähe einen Kiosk, in dem es Tee gibt, und eine kleine Bäckerei, sodass ich sicher gehen kann, auch morgen früh überleben zu können. Einen Supermarkt gibt es hier draußen nicht. Ich probiere mich nochmal an dem Kästchen und setze mich dann wieder auf die Treppe vor dem Haus, wo ich weiter lerne, bis unser Gastgeber da ist, um mir aufzusperren.


Abends treffen Joe und ich uns in der Bar Heaven 23, die sich im 23. Stock des Hotels Gothia Towers befindet. Man hat einen irren Blick über die Stadt von da aus, und der gläserne Aufzug fährt außen am Hotel hoch. Nur etwas underdressed wirken wir.

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